Editorial

Ausstellungen, Pferde und ein Jubiläum

Nahezu jeder kennt die größte Ausstellung zeitgenössischer Kunst – die documenta, die alle 5 Jahre zwischen Juni und September an exakt 100 Tagen in Kassel stattfindet. Und auch viele wissen, dass dieses Jahr zur 14. documenta die Regeln geändert wurden – eine Hälfte der Schau wurde bereits im April in Athen ebenfalls mit einer Laufzeit von 100 Tagen eröffnet, der andere Teil kann seit Mitte Juni in Kassel erlebt werden.
Aber nur wenige wissen, dass am 9. April ein besonderes Kunstprojekt dazu startete: Ein Trupp Reiter war im Auftrag der documenta von Athen nach Kassel aufgebrochen – sozusagen ein mobiles Kunstwerk: ‚The Transit of Hermes’. Das Kunstwerk wurde zum symbolischen Band, dass die beiden Orte verbindet: 3000 km legten vier Reiter mit ihren Pferden von Athen nach Kassel zurück, ein Ritt über 100 Tage, angelehnt an die Laufzeit der documenta als ‚Museum der 100 Tage’. Eine ungewöhnliche Begegnung mit dem Beistand eines himmlichen Begleiters namens Hermes – einst Götterbote, jetzt fünftes Ross im Trupp als Packpferd. Der kleine Arravani aus der Hirtenregion des Peleponnes sollte beweisen, dass diese fast verschwundene Rasse griechischer Gangpferde einen solchen Ritt durchstehen kann. Ohne Hermes wäre das Projekt unvollständig – der vierhufige Reisegott ist der lokale Bezug zu Griechenland und Athen.
Und jetzt: 3000 km Europa unterwegs zu Pferde über Feldwege und Gebirgspfade. Mit dem Huf oder dem Fuß begreift sich der zurück gelegte Raum langsamer. Lässt sich beim Reiten von Athen nach Kassel, über sechs Ländergrenzen hinweg, vielleicht ein so hochabstraktes Gebilde wie Europa besser verstehen?? Das Kunstwerk Hermes ist auch der Blick auf ein Pferd als Fortbewegungsmittel – ein Anachronismus, der die Spannungen in Europa abbildet. Überall unterwegs treffen die Europa-Reiter auf Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft – einer der stärksten Eindrücke. Ein Europa, das intakter scheint als es die Medien vermitteln – trotz Brexit und Finanzkrise. Erst Begegnungen in Europa ermöglichen es, dass durchschrittene Räume und Kulturen verstanden werden.
Das alles aber gibt es auch in den beiden Kunstausstellungen im Kreml zu sehen, die Mitte August eröffnet werden. Die Einradfotoausstellung ‚One Wheel – One Shot’ liefert Eindrücke aus den verschiedensten Ecken Europas, die die Einradsportler unseres Kooperationspartners SV Lohrheim in den letzten Jahren zu Welt- und Europameisterschaften besucht haben. Und auch die Fotoausstellung ‚AbenteuerLeidenschaft’ beschäftigt sich mit Natur und Landschaft in Europa und weit über Europa hinaus. Beide Ausstellungen sind bis Mitte Oktober zu sehen – also auch zum 20jährigen Jubiläumsfest des Kreml Kulturhaus.
Apropos Jubiläum: Wir feiern am 2. September ab 16.30 Uhr mit einem zünftigen Kulturprogramm ‚20 Jahre Kreml (1997-2007)’. Dazu laden wir alle Kreml-Gänger/innen und Interessierte natürlich herzlichst ein. Und wen das nicht so wirklich interessiert: In Kassel kann man sich bis 15. September auch noch die documenta anschauen…

 

KREML Kulturhaus
Die Redaktion