Demnächst im Kreml

Kommende FilmHighlights

Kino News

von Thomas Lawetzky

Oktober

Die Geschichte der Literaturverfilmungen ist so alt wie das Kino selbst. Ab dem Moment, wo Filme nicht mehr nur die Realität dokumentierten, sondern begannen Geschichten zu erzählen, griffen Regisseure, Autoren, Produzenten gerne auf literarische Vorlagen zurück. Los ging’s 1902 mit Méliès „Reise zum Mond“, frei nach Jules Verne.
Ein nicht geringer Anteil der Filme, die in den folgenden 115 Jahren entstanden, basieren auf Romanen, Erzählungen, Kurzgeschichten. Die meisten davon eher wenig gehaltvoll, was dann für die Verfilmungen oft auch gilt. Deshalb hat sich zumindest die feuilletonistische Begleitung und Beobachtung des Filmgeschehens irgendwann mal darauf geeinigt, dass unter Literaturverfilmungen, Werke nach hochrangigen, „literarischen“ Büchern zu verstehen seien. Saubere Trennung von U- und E-Literatur also.
Beispiel: „Der Tod in Venedig“ nach Thomas Mann oder „Die Blechtrommel“ nach Günter Grass = Literaturverfilmung. „Friedhof der Kuscheltiere“ nach Stephen King = Genre, Schund. Eine Trennung, die erst mal einsichtig erscheint, auf den zweiten Blick jedoch wenig stimmig ist. Dass der Film „Friedhof der Kuscheltiere“ nämlich nicht gerade in die Filmgeschichte eingegangen ist, liegt weniger an der minderen Qualität der literarischen Vorlage, sondern an einem uninspirierten Regisseur, der Dutzendware abgeliefert hat, vermutlich genau das auch wollte.
Der vielleicht visionärste Filmregisseur überhaupt, Stanley Kubrick, hat nun aber alle seine Filme nach Romanen gedreht, auch und gerade nach sogenannten Unterhaltungsromanen. Zurück zu Stephen King. „Shining“ ist ein passables Frühwerk des Horrorautors, das erst durch die geniale Verfilmung Kubricks ins Rampenlicht rückte. King selbst betont seit 40 Jahren, den Film nicht zu mögen, er verfälsche das Buch.
Womit wir mitten in der Diskussion über Sinn und Unsinn von Literaturverfilmungen sind. Zwangsläufig verändert ein Film ja seine literarische Vorlage. Der Leser imaginiert den gedruckten Stoff und macht sich seine eigenen Bilder. Der Kinozuschauer kriegt sie mittels Schauspieler, Ausstattung, Kamerawinkel, Schnitt etc. fertig geliefert. Ist also der Zuschauer einer Literaturverfilmung intellektuell und emotional weniger gefordert, als ein Leser der gedruckten Vorlage? Nur wenn der Film sich sklavisch und uninspiriert ans Buch hält, es nur bebildert.
Alle großen Literaturverfilmungen sind einen anderen Weg gegangen. Sie haben sich bei den zwangläufigen Kürzungen der Geschichte auf den erzählerischen Kern konzentriert und dabei den Geist der Vorlage beibehalten, vielleicht sogar vertieft oder erweitert. Eine gelungene Literaturverfilmung ist immer ein eigenständiges Werk, kann neben der Vorlage bestehen, kann sogar „besser“ sein.
Was sich bei niemand besser veranschaulichen lässt als wieder bei Kubrick. Die Vorlagen zu „2001“, „Clockwork Orange“, „Shining“, „Barry Lyndon“, „Full Metal Jacket“ sind mehr oder weniger vergessen. Die Filme haben nichts von ihrer Kraft verloren, gehören zum filmischen Weltkulturerbe.
Der Brite Richard Eyre versucht sich mit „Kindeswohl“ (ab 4.10. im Kreml) nun zum zweiten Mal an einem Roman seines Landsmannes Ian McEwan. Diesmal als Regisseur. Vor 10 Jahren hatte er bei der mittlerweile legendären McEwan-Verfilmung „Abbitte“ noch als Produzent fungiert und für eine der gelungensten Filmadaptionen der letzten Jahre gesorgt. In „Kindeswohl“ entfacht er nun als Regisseur eine emotionale Achterbahnfahrt der intensiven Art, deren Gesicht die wunderbare Emma Thompson ist. Bewegender Film, der elementare existentielle Fragen stellt und dabei den Fokus des Romans ein wenig verschiebt, zugunsten der weiblichen Hauptperson.

KREML Programmkino – Thomas Lawetzky

August/September

Wer bei uns in Deutschland welchen Film in welcher Schnitt-fassung sehen darf, das entscheidet die FSK. Sie prüft im Auftrag der Filmwirtschaft (SPIO) alle zur Veröffentlichung vorgesehen Filme und setzt die Altersfreigaben fest. Rechtsgrundlage ist das Jugendschutzgesetz. De Facto meint die FSK jedoch auch die Erwachsenen schützen zu müssen. Immer mal wieder wird Filmen die Altersfreigabe ab 18 verweigert bzw. sie wird an Schnittauflagen gekoppelt. Betroffen sind heutzutage fast ausschließlich sog. Splatterfilme. Das sind belanglose Horrorfilme meist gröberer Machart, in denen es (bei weitgehender Vernachlässigung schlüssiger Plotentwicklung) vor allem darum geht, dem menschlichen Körper mit allerlei Gerätschaften, die sonst bei Gartenbau und Landschaftspflege Verwendung finden (Kettensäge, Axt, Heckenschere), zu Leibe zu rücken.
Die Fans derlei Filme sind naturgemäß wenig beglückt, wenn ihnen diese in Gänze oder in Teilen von der FSK vorenthalten werden.  Von Zensur ist dann die Rede, durchaus nachvollziehbar. Splatterfreunde müssen dann ins Zensur freie Österreich ausweichen, um sich ihre DVD’s zu besorgen.
In der Tat ist die Zensurgeschichte der FSK eine wenig rühmliche, hat sie im Verlauf der letzten 50 Jahre doch immer mal wieder bös’ daneben gehauen und filmische Meisterwerke auf den Index gesetzt, mit einem Werbeverbot belegt, also quasi verboten. Wie z.B. Pasolini’s düstere Faschismusparabel „Die 120 Tage von Sodom“, die Horrorkomödien „Braindead“ und „Tanz der Teufel“ oder den stilbildenden (und weitgehend unblutigen) Schocker „Texas Chainsaw Massacre“. Alle diese Filme sind übrigens in den letzten Jahren neu geprüft und für den deutschen Markt freigegeben worden. Wer, was, wann sehen darf ist also vor allem eine Frage des Zeitgeistes.
Aber auch was den Jugendschutz anbelangt, gibt es immer mal wieder FSK-Entscheidungen, die durchaus zu hinterfragen sind und die auch schon mal uns im Kreml tangieren. Wie z.B. im Mai, als wir hintereinander „Death of Stalin“ und „Der Hauptmann“ im Programm hatten. Beide Filme hatten das gleiche Thema: Wohin führt es, wenn Männlichkeitswahn und Machtrausch final über den Humanismus triumphieren? „Death of Stalin“ diskutierte die Frage in Form einer zynischen Komödie, „Der Hauptmann“ mit nihilistischem Naturalismus. Beide Filme sind in Haltung und Tonfall vorbildlich und, wie es bei ernsthafter Kunst schon mal vorkommt, schwer erträglich. In jedem Fall lehrreich, gerade für Jugendliche.
Bei der FSK war man sich da offenbar unschlüssig und tat sich schwer. Der Film, der die Auswüchse des Kommunismus beschrieb, ist ab 12 freigegeben, die Nazi-Parabel ab 16. Ausufernder Zynismus ist also schon 12jährigen zuzumuten, deprimierender Nihilismus aber erst 16jährigen.
Das Problem vor dem die FSK bei der Freigabe der beiden Film stand – und bestimmt wurde bei beiden Filmen länger diskutiert (ab 12 oder ab 16) – ist ein systemisches. Das Regelwerk der Filmfreigaben deckt sich an genau diesem Punkt nämlich nicht mit der Lebenswirklichkeit. Ein 12jähriger ist fast noch ein Kind, ein 16jähriger fast schon ein Erwachsener. In den vier Jahren dazwischen passiert für junge Menschen extrem viel, sie sind lebensprägend. Eine richtige und sinnvolle Altersfreigabe für beide Filme wäre vermutlich ab 14 gewesen. Höchste Zeit, mal über eine Reform der Filmfreigabe nachzudenken und sich dabei auf den Jugendschutz zu beschränken. Erwachsene können selbst entscheiden, was sie sehen wollen und was nicht.

KREML Programmkino – Thomas Lawetzky

Kino im Kreml-Kulturhaus

Preisgekröntes Programmkino mit täglich wechselnden Angebot

Die Idee

Keimzelle des KREML Kulturhauses ist die Idee von Programmkino mit täglich wechselnden aktuellen wie klassischen Filmen sowie einem qualitativen Kinderfilmangebot. Diese Konzeptidee wurde in einem ersten Schritt durch sogenannte „Film Specials“ ergänzt. Im Rahmen dieser Film Specials sind im Programmkino des KREML Kulturhauses in der Regel aussergewöhnliche Filmstreifen, Dokumentarfilme, Kurzfilmrollen wie auch Filme mit einem regionalen Bezug zur hiesigen Region zu sehen.
In der Folge wurden diverse Abspielreihen (u.a. Filmkunst, Déjà vu) sowie das Musikfilmfestival mit in das Programm einbezogen, die einmal wöchentlich bzw. monatlich oder als Jahres-Higlight zu sehen sind.

Das Programm

Seit Januar 2001 gibt es täglich zusätzlich Kurzfilme im Vorprogramm, den noch immer fristet der Kurzfilm im deutschen Kino ein Nischen-Dasein.
In den Sommermonaten bietet das Kulturhaus zusätzlich die Reihe „Filme im Garten”. An sechs aufeinanderfolgenden Wochenenden kann an jeweils einem Wochenendtag Kino-OpenAir-Atmosphäre auf dem Aussengelände des KREML Kulturhauses genossen werden.

Das Filmprogramm wird von einem ehrenamtlich tätigen Arbeitskreis ausgewählt und geplant. Hier finden sich Filmemacher, Kunstliebhaber und Kinofans monatlich zusammen, um aus Publikumswünschen und aktuellem Filmangebot ein vielschichtiges und anspruchsvolles Programm zusammenzustellen.

Zahlen und Fakten

Durchschnittlich gibt es im KREML Kulturhaus im Jahr ca. 160 Filme zu sehen, 120 Programmkinofilme und 40 Kinderfilme. Das KREML Programmkino fasst zur Zeit 82 Zuschauer je Vorstellung; die Gesamtzuschauerzahl lag in den letzten Jahren bei durchschnittlich 12000 Besuchern pro Jahr.

Im Bereich Kino ist das KREML Kulturhaus Mitglied im Film- u. Kinobüro Hessen e. V. sowie in der Bundesarbeitsgemeinschaft Kino. Das KREML Kulturhaus konnte in den letzten Jahren mehrmals den Bundesfilmpreis Kino, den Bundesfilmpreis für sein herausragendes Kinder- und Jugendfilmprogramm sowie den Filmtheaterprogrammpreis Rheinland-Pfalz in Empfang nehmen.

Prämiertes Programmkino

Das KREMlL Kulturhaus konnte folgende Preise erzielen:

  • Bundeskinopreis 2017
  • Kinopreis des Landes Rheinland-Pfalz 2017

Unterstützung für Blinde und Gehörlose

Die kostenlosen Apps ``Greta`` und ``Starks`` für Smartphone und Tablet bieten Blinden und Gehörlosen Audiodeskriptionen und Untertitel.